Das Yin zum Yang

Oder anders:

Das Passive und das Aktive

Das Weibliche und das Männliche

Die Sonne und der Mond

Hell und Dunkel

Wach und Traum

Ich wurde einmal gefragt, ob ich auch manchmal auf meine Yogamatte komme, mich in Tadasana, die Berghaltung, begebe und es einfach aushalte, nichts zu tun, nichts daran zu verändern und vor allem: Nichts daran zu optimieren. Aushalten ist ebenso wie Ankommen, Loslassen, und Atmen eine der für mich wichtigsten Aspekte im Yoga.



Wenn ich zurückdenke, an eine Moni von früher, erkenne ich, dass ich vor allem eines war: Aktiv. Immer. Ausschließlich.


Es war das Schlimmste für mich, etwas zu verpassen, nicht dabei sein zu können, einfach mal zuhause zu bleiben, weil es für mich gleichbedeutend war mit: Verlieren. Es fühlte sich tief in meinem Brustkorb wie ein Ballon an, der langsam zu seiner vollen Größe wächst, und damit jede Möglichkeit auf Atem verdrängt. So fühlte sich Ruhe, Zeit für mich, früher an. Schrecklich.


Natürlich muss man bedenken, dass es auch wichtig ist, in der Jugend und den Zwanzigern Sturm und Drang zu leben. Dafür ist diese Zeit ja auch da. Man muss ausprobieren, das Leben schmecken, mit all seinen Facetten. Wie sonst sollen wir erfahren, was uns gut, und was uns weniger gut im Leben schmeckt. ;)


Die Ruhe und wie wertvoll diese ist wird uns erst zu Beginn der Dreißiger bewusst. Wenn wir schon genug ausprobiert haben, und wissen, was wir vom Leben wollen, wie unser Leben aussehen soll.


Doch wenn wir so daran gewöhnt sind, immer aktiv zu sein, immer erreichbar zu sein, immer stark zu sein ... wie können wir lernen, aus dieser Gewohnheit herauszukommen? Wie finden wir den Ausstieg aus "Immer aktiv"?


Stell dir vor, du läufst über eine Wiese. Du läufst nicht langsam, sondern so schnell du nur kannst. Wie lange schaffst du es, bis dir die Puste ausgeht? Wirst du diesen Lauf genießen, wenn deine Lunge anfängt, zu schmerzen? Wird dir dieser Lauf in guter Erinnerung bleiben, wenn er zu Ende ist? Was bleibt am Ende, wenn wir immer nur in höchster Geschwindigkeit weiterlaufen?



If you are always racing to the next moment, what happens to the one you´re in?

Zig Ziglar



Deshalb ist es so wichtig, auch einmal inne zu halten, und runter vom Gas zu gehen. Also falls du gerade das Gefühl hast, so schnell du kannst über diese Wiese zu laufen, und keine Puste mehr zu haben, bleib einfach mal stehen.


Wir sind so sehr daran gewöhnt, schnell zu agieren, schnell zu antworten, schnell zu denken, dass wir ganz verlernt haben, auch mal einen Moment abzuwarten, uns einen Moment Zeit zu nehmen.


Dieses Zeit-Nehmen ist unglaublich wichtig, weil wir, wenn wir immer nur schnell antworten und tun, gar keine Zeit dafür haben, zu spüren ob sich das richtig und gut für uns anfühlt. Und darum ist es so wichtig, wieder zu lernen, wie wir AUSHALTEN. Aushalten, dass wir einen Moment Zeit brauchen. Zeit zum Spüren, Zeit zum Durchatmen, Zeit zum Nachfühlen, einfach Zeit.


Für mich ist das einer der wichtigsten Aspekte der Yinyoga-Praxis. Wir halten nichts aktiv, wir beschönigen nichts, wir übergeben uns der Schwerkraft und werden still. Es gibt keine Ablenkung, kein Handy, durch das wir durchscrollen könnten, keine TV-Serie oder Buch, die uns vom Hier und Jetzt lösen. Das ist pures Ausgeliefertsein, unsere größte Chance, auszuhalten, was ist.



So ham.

Was übersetzt soviel bedeutet wie "Ich bin, der ich bin. Ich bin weder Körper noch Geist. Ich bin das unsterbliche Selbst."



Oft höre ich, dass Schülerinnen und Schüler aktivere Varianten von Yoga bevorzugen. Dagegen gibt es nichts zu sagen. Doch vielleicht bevorzugen wir, was uns leichter fällt. Und in diesem Fall kann ich dir von Herzen empfehlen: Probiere es einfach mal aus. Bleib stehen. Halte inne. Und dann schau, was passiert, wenn nichts mehr passiert. Wenn du nur mehr dein Herz schlagen und deinen Atem durch dich hindurchfließen spürst. Dann hast du ihn gefunden, deinen Frieden. Und vertrau mir, am Ende wird dieser Moment einer von denen sein, an die du dich gern zurückerinnerst. Einfach weil es in diesem Moment nur um dich ging. Weil du dir selbst so wichtig warst.


Vielleicht magst du einen Kommentar hinterlassen, wie es dir mit deiner Yin-Yogapraxis geht. :-)


Breathe.In.Breathe.Out.


Namasté,

deine Moni














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